12.06.2017 - Glen Grant Distillery / Johnstons of Elgin

„Good morning ladies and gentlemen...“ Auch heute wurden wir wieder schön um 6 Uhr morgens von unserem Kapitän geweckt. Da wir aber so früh zu Bett gingen waren wir gut ausgeschlafen und erholt. Gegen 7 Uhr stiegen viele Leute von Bord und wir gingen unser Frühstück essen. Mama trieb beinahe einen der armen Angestellten auf die Palme weil sie ihn mehrmals fragte ob sie kein Brot hätten und er nur verzweifelt auf seinen Toast zeigte.
Gegen halb 9 gingen wir von Bord der MSV Hrossey und stiegen wieder in unseren Van. Unser erster Punkt der Tagesordnung war Aberdeen selber. Die Hafenstadt bestand ursprünglich aus 3 einzelnen Ortschaften: Footdee (Fittie ausgesprochen), Aberdeen und Old Aberdeen. Aberdeen war die Kaufmannstadt, Old Aberdeen war sehr beliebt wegen der Kirche und des King Colleges und Footdee war eine Fischerstadt. Da alle drei Ortschaften bereits alleine eher reiche Gegenden waren ist auch das heutige Aberdeen eine sehr reiche Stadt, besonders auch weil viel des Ölabbau von Aberdeen aus betrieben wird. Aberdeen hat sehr viele Granit-Bauten, da dies das meist verbreitete Gesteine in der Gegend ist. Dies hat der Stadt auch den Namen „Silver City“ eingebracht, da Granit in der Sonne leicht glitzert.
Wir hopsten nur ganz kurz raus um ein Fotos des grössten Granit-Gebäudes der Welt zu machen.
Der nächste Stopp war beim Kings College, dass eine steinerne Krone trägt. Von dort aus fuhren wir noch zur Cathedral Church of St Machar. Auch dort stoppten wir nur ganz kurz und fuhren dann weiter Richtung Glen Grant Brauerei. Bevor wir diese erreichten hielten wir bei der Glennfittich Brennerei an. Allerdings nicht um in die Brauerei zu gehen sondern um die Highlandrinder anzusehen, die gleich nebenan auf der Weide standen. Bisher waren die immer etwas zu weit weg um mal ein einigermassen gutes Foto schiessen zu können :)
Von dort war es nur noch ein Katzensprung zur Glen Grant Brauerei. Wir hatten dort eine geführte Tour für eine halbe Stunde mit anschliessend kleiner Degustation. Es war wirklich spannend zu sehen wie Whiskey hergestellt wird. Vom Gerstenkorn bis zum Endprodukt. Der Glen Grant gehört mitlerweilen übrigens zur italienischen Firma Campari. Die Führung war übrigens auf Englisch und zu Connies Unmut musste sie als Übersetzerin dienen. Die Übersetzerin staunte nicht schlecht als ihre 1 minütigen Sätze 3 Minuten zum Übersetzten dauerten.
Eines der lustigsten Details der Tour fand ich bei der Einlagerung des Whiskeys in den Fässern. Der wird in ehemaligen Bourbon oder Cherry Fässern aufbewahrt für mindestens 3 Jahre. Zu Beginn dieses Prozesses gibt man etwas Wasser dazu aber das ist weil die Fässer jedes Jahr 2% an Flüssigkeit verlieren über Verdampfung. Diesen Dampf nennt man den Angels Share. Der Anteil der Engel.
Die Degustation war lustig aber Whiskey ist nicht so wirklich mein Getränk und so wirklich abgehärtet war ich auch nicht für 40%ige Getränke. Wir hatten zwar wirklich nicht viel zu trinken aber ohne viel Essen hatte das für Patricia und mich gereicht um angetrunken durch den Wald zu schlendern. Etwas ausgenüchtert sammelten wir uns vor dem Auto wieder und futterten noch ein paar Prezel und Kekse in uns hinein um uns noch etwas mehr zu normalisieren.
Von dieser Führung ging es dann sogleich weiter zu einer Cashmere Fabrik: Johnstons of Elgin.
Cashmerefabriken sind recht gross in Schottland da sie die Idealen Voraussetzungen hatten. Als England von überall her Rohstoffe mitnahmen stellte sich heraus dass Schottland mit seinen Verarbeitungsanlagen für Wolle und vielen Wasserquellen ein idealer Ort waren.
Auch diese Führung war wirklich spannend. Hier wurden wir ganz einem Guide (Kier) überlassen der uns durch den ganzen Prozess führe. Lustig zu wissen ist, dass Wolle von den Schafen geschoren wird, Cashmere hingegen wird von den Ziegen gebürstet. Das ist wirklich so als würde man einen Pullover aus dem weg gebürsteten Katzenhaar machen.
Nach dieser Tour stoppten wir noch kurz bei der Kathedrale von Elgin. Die ist zwar nur noch eine Ruine aber immer noch recht imposant. Die Kathedrale brannte im Verlaufe der Geschichte 2 mal nieder und verfiel dann aber ganz dem Rohstoffmangel. Nach der Reformation waren Kirchen nicht mehr in Mode und wenn man praktische Bausteine brauchten wurden teil Kirchen einfach Rückgebaut.
Von der Kathedrale aus rasten wir dann wieder weiter nach Grantown on Spey, wo unser Hotel für den Abend ist. Das Hotel von Aussen sieht aus wie ein kleines Schloss und das Zimmer ist recht gross. Mama und Papa berichten zwar von Mücken und Spinnen aber davon sind wir bis jetzt verschont geblieben.
Bevor Patricia und ich zum Abendessen gingen schlossen wir uns aus unserem Zimmer aus. Da wir das eh nicht so schnell lösen konnten beschlossen wir das Ganze nach dem Abendessen zu lösen.
Als wir an der Rezeption waren sagte die nette Dame uns, dass sie jemanden schicken werde und dass wir zurück zu unseren Zimmer gehen sollen. Eine Minute später tauchten 2 Männer auf. Zu meiner Verwunderung ohne Schlüssel in den Händen. Der ältere Schaute uns an und fragte welche Türe. Nach unserer Antwort holte er Anlauf und rannte die Türe ein...
nun ja so hätten wir das vielleicht auch noch selber geschafft. „Leicht“ verdattert stehen wir zwei nun also vor unserer eingerannten Türe und sehen dass ein Teil des Rahmens mitgekommen war und das ganze Schloss nur noch so da hängt. Der jüngere der beiden blieb bei uns stehen und sah etwas ähnlich verdattert drein. Um die Seltsamkeit der Situation etwas zu überspielen fingen wir halt an miteinander zu reden. Craig, der Barmann wartete also mit uns für zirka 5 Minuten bis der Handyman wieder kam und das Schloss „reparierte“. Einen Elektrobohrer hatte er nicht zur Hand also rammte er das Schloss wieder einigermassen an Ort und murkste die Schrauben wieder hinein. Wir werden auf jeden Fall nicht noch einmal den Zimmerschlüssel vergessen.
Gegen 9 Uhr trafen wir uns noch einmal kurz zu viert um die Bar aus zu probieren. Craig konnte uns also gleich noch einmal helfen beim Aussuchen eines guten Gins. Der Gute vertauschte zwar meine Bestellung mit Patricias aber es kam am Schluss doch zu einem guten Drink für uns beide.


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